GenAI 2026: 80% der Firmen nutzen es operativ — was hat sich geändert?
Rund 80 Prozent der Unternehmen setzen GenAI 2026 operativ ein. Was hat sich wirklich verändert – und was das für die Kreativbranche bedeutet.
By Thomas Fenkart · 5 min read
GenAI 2026: 80% der Firmen nutzen es operativ — was hat sich geändert? Irgendwann zwischen 2024 und heute ist etwas passiert. Nicht mit der Technologie – die hat sich natürlich weiterentwickelt – sondern mit den Leuten, die sie einsetzen. Der Ton hat sich verändert. Wer heute in Unternehmenskreisen über GenAI spricht, redet nicht mehr darüber, ob man es ausprobieren soll. Sondern wie man es besser macht. Die Zahlen sind mittlerweile eindeutig: Laut mehreren aktuellen Erhebungen – darunter der Mindbreeze Enterprise Survey Anfang 2026 – setzen inzwischen rund 80 Prozent der Unternehmen generative KI in irgendeiner Form operativ ein. Nicht mehr als Experiment in der IT-Abteilung. Als Teil des täglichen Geschäfts. Das ist eine ziemlich bemerkenswerte Verschiebung, wenn man bedenkt, dass vor drei Jahren noch die Hälfte der Führungskräfte das alles für einen Hype hielt. Was hat sich also konkret geändert? Vom Proof-of-Concept zur Produktionsumgebung Der auffälligste Wandel ist der Abschied vom ewigen Pilotprojekt. Wer in den letzten Jahren Menschen das Thema nahegebracht hat – und ich habe einige davon begleitet – kennt das Muster: Begeisterung, ein kleines Testprojekt, vielversprechende Ergebnisse. Und dann? Nichts. Das Projekt blieb im Proof-of-Concept stecken, weil niemand wusste, wie man es in bestehende Workflows integriert. Das ändert sich gerade. Unternehmen, die das heute wirklich produktiv einsetzen, haben eine entscheidende Erkenntnis gemacht: Es geht nicht darum, die coolste Demo zu bauen. Es geht darum, welche konkreten Prozesse sich messbar verbessern lassen. Finanzdienstleister waren dabei besonders früh dran. Laut einer Analyse von Let's Data Science skalieren Finanzfirmen diese Lösungen inzwischen auf breiter Front – und zwar mit messbaren Ergebnissen. Nicht vagen Hoffnungen, sondern konkreten Metriken: Bearbeitungszeit für Kundenanfragen halbiert, Compliance-Checks automatisiert, Risikobewertungen beschleunigt. Das ist der Unterschied zwischen 2023 und 2026. Damals hieß es: "Das könnte mal nützlich sein." Heute heißt es: "Hier sparen wir pro Quartal X." Was der Mindbreeze-Survey wirklich zeigt Die Mindbreeze-Erhebung – Anfang 2026 unter Enterprise-Entscheidern durchgeführt – liefert ein differenziertes Bild. Das Vertrauen ist gestiegen, aber nicht weil die Technologie plötzlich perfekt wäre. Sondern weil Unternehmen gelernt haben, realistischer damit umzugehen. Ein zentrales Ergebnis: Die Firmen, die den meisten Nutzen ziehen, sind nicht die mit den größten Budgets. Sondern die, die genau verstanden haben, wo der Einsatz einen Unterschied macht – und wo nicht. Diese Nüchternheit ist neu. Sie fehlt dort noch, wo der Hype-Zyklus noch läuft. Interessant ist auch: Die Enterprise-Nutzung verlagert sich weg von allgemeinen Chatbots hin zu spezialisierten Anwendungen. Wissensmanagement, Dokumentenverarbeitung, interne Assistenten mit Zugriff auf Unternehmensdaten. Der generische ChatGPT-Moment ist vorbei – jetzt kommen die vertikalen Lösungen. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob das überall schon angekommen ist. In vielen mittelständischen Unternehmen sehe ich noch die Phase, in der man beeindruckt ist, dass ein Sprachmodell einen Fließtext schreibt. Da liegt noch einiges vor uns. Die Kreativbranche hinkt nach – aber holt auf Was mich als jemand mit 25 Jahren Filmproduktionshintergrund besonders interessiert: Wo steht die Kreativbranche in dieser Entwicklung? Ehrlich gesagt: Sie ist später dran. Das liegt nicht an mangelndem Interesse – ganz im Gegenteil. Kreative sind fasziniert von den Möglichkeiten. Aber die operative Integration – nicht nur ausprobieren, sondern wirklich in Produktionsprozesse einbauen – ist eine andere Sache. Das ändert sich. Produktionsstudios fangen an, GenAI systematisch für Vorproduktion, Recherche, Script-Entwicklung und – das ist das Spannende – für Postproduktion einzusetzen. Was früher Tage dauerte, geht heute in Stunden. Nicht immer und nicht für alles. Aber für genug Anwendungsfälle, dass es ökonomisch relevant wird. Als Softwareunternehmen im GenAI-Bereich beobachten wir das hautnah. Firmen aus der Kreativbranche stellen zunehmend dieselbe Frage, die Finanzfirmen schon vor zwei Jahren gestellt haben: Wie bauen wir das strukturiert ein, anstatt es nur mal auszuprobieren? Der ROI in kreativen Feldern ist schwerer zu messen als in der Finanzwelt, weil kreative Arbeit nie rein quantitativ ist. Aber er ist da. Weniger Iterationsschleifen. Schnellere Konzepterstellung. Mehr Varianten in weniger Zeit. Was sich strukturell verändert hat Neben den operativen Zahlen gibt es eine tiefere Verschiebung, die ich für noch wichtiger halte. Die Frage lautet nicht mehr "Nutzen wir das oder nicht?" – diese Diskussion ist vorbei. Die Frage ist: Wer in deinem Unternehmen versteht, wie man mit den Ergebnissen arbeitet, sie bewertet und verbessert? Das ist eine Kompetenzfrage. Und sie betrifft nicht nur Tech-Teams. Sie betrifft Texter, Projektmanager, Kreativdirektoren, Produzenten. Die nächste Phase von GenAI im Unternehmen ist die Phase der AI Literacy – nicht als IT-Thema, sondern als Arbeitskompetenz. Was mich dabei optimistisch stimmt: Anders als bei vielen früheren Technologiewellen – ich erinnere mich gut an die Digitalisierungsdiskussionen Ende der 1990er – ist GenAI zugänglich. Man muss kein Programmierer sein, um einen echten Nutzen zu haben. Das demokratisiert etwas. Ob das allerdings bedeutet, dass die 80-Prozent-Zahl in zwei Jahren bei 95 Prozent liegt? Ich weiß es nicht. Der Unterschied zwischen "wir nutzen es" und "wir nutzen es gut" ist noch groß. Und vielleicht ist das die eigentlich relevante Zahl – die, die noch niemand so richtig misst.