Das Neue beginnt, das Alte faded aus
Nach 25 Jahren im Filmgeschäft drehen wir den Film zurück auf Anfang – nicht trotz, sondern wegen unserer Erfahrung. Not Another Mate startet als GenAI-SaaS Unternehmen aus der Film- und Softwarewelt in eine neue Epoche der Bewegtbildproduktion.
By Thomas Fenkart · 5 min read
Ein Schnitt nach 25 Jahren: Zurück an den Anfang – mit vollem Speicher Es gibt Momente, in denen man nicht nur eine neue Szene beginnt, sondern den gesamten Film neu aufsetzt. Nach fast 25 Jahren in der B2B-Werbefilmproduktion sind wir an einem genau solchen Punkt angelangt. Der Markt verändert sich, das Umfeld verschiebt sich, der technologische Fortschritt beschleunigt sich – und wir haben uns entschieden, nicht länger nur mitzuschwimmen, sondern komplett neu zu starten. Wir beginnen wieder bei null. Zumindest von außen betrachtet. Innen drinnen – in unseren Köpfen, in unseren Repositories, in unseren Projektarchiven – tragen wir allerdings eine Menge Erfahrung mit: aus der klassischen Filmproduktion ebenso wie aus der Software-Entwicklung. Beides verschmilzt jetzt in Not Another Mate zu etwas Neuem: einem österreichischen SaaS-Unternehmen im Bereich Generative AI mit Fokus auf Film, Audio und Foto. „Das Alte ist das Rohmaterial, aus dem das Neue geschnitten wird.“ Wir verabschieden uns nicht von unserer Vergangenheit. Wir graden sie nur neu, schneiden sie anders und exportieren sie in ein neues Format. Vom Schneidetisch zur Timeline zur Text-Prompt: Ein kurzer Blick zurück Wer – wie wir – seit den späten 1990ern im Filmgeschäft unterwegs ist, hat mehrere technologische Epochen miterlebt. Die Umstellung von linearem Editing auf non-lineares Editing war nicht nur ein Tool-Wechsel, sie war ein mentaler Shift. Plötzlich konnte man springen, verschieben, versuchen, verwerfen – ohne physischen Schnitt, ohne Bandkopien, ohne die Angst, etwas unwiederbringlich zu zerstören. Kurz darauf begann die Revolution der Kameratechnologie. Aus vergleichsweise einfachen elektronischen Videokameras wurden vollwertige digitale Filmkameras, die ihren analogen Geschwistern irgendwann ebenbürtig wurden. Und schließlich schlüpfte Filmästhetik in immer kleinere Gehäuse – DSLR-Kameras, spiegellose Systeme, die fast in die Hosentasche passten und dennoch Bilder lieferten, die früher nur mit schweren Rigs und großem Budget möglich waren. Parallel dazu veränderten sich die Sehgewohnheiten. Vor gut 20 Jahren wurde ein unscheinbares, kurzes Video eines Gründers im Zoo auf eine junge Plattform namens YouTube hochgeladen. Heute ist Bewegtbild aus keinem Bereich des Alltags mehr wegzudenken: Nachrichten, Bildung, Konzerte, Produktvorstellungen, Unterhaltung in allen Schattierungen. Neue Berufe entstanden, neue Ökonomien gleich mit. Und dann kam Social Media. Plötzlich ging es weniger um den „perfekten Film“ und mehr darum, im Ozean der Angebote nicht unterzugehen. Reichweite, Algorithmen, Thumbnails, Hooks in den ersten drei Sekunden. Die Branche änderte sich erneut – und wieder mussten wir lernen, anders zu denken: schneller, kleinteiliger, lauter. Ob all das eine gute Entwicklung ist? Darüber kann und sollte man streiten. Aber sie ist real. Und auf diese Realität antworten wir nun mit einem radikalen Schritt: Wir starten neu. Generative KI: Zwischen AI Slop und radikaler Befreiung Jetzt also die nächste Welle: Generative KI. Text zu Video, Text zu Audio, Bild zu Bild, alles zu allem, 24/7, ohne Schlaf, ohne Pause. Die Infrastruktur für eine potenzielle Überflutung ist da. AI Slop – eine Flut von automatisch generiertem Content, oft ohne Relevanz, ohne Reflexion, ohne wirklichen Nutzen. Wir wären unehrlich, würden wir behaupten, wir stünden außerhalb dieser Entwicklung. Tun wir nicht. Wir machen mit – aber nicht bedingungslos. Unsere Produkte werden es Menschen ermöglichen, generativen Content zu erstellen. Das ist der Kern unseres neuen Geschäftsmodells als GenAI-SaaS Unternehmen. Aber der entscheidende Punkt ist: Wir sehen Generative AI nicht als Maschine, die „noch mehr Content“ ausspuckt, sondern als Werkzeug, das Zeit und Möglichkeiten freilegt. Zeit, um über Inhalte länger nachdenken zu können. Möglichkeiten, Stories umzusetzen, die bisher technisch oder finanziell außerhalb der Reichweite lagen. Unser Ziel ist nicht, sinnlos erstellte Videos zu produzieren, die in Feeds durchrauschen und nichts hinterlassen. Unser Ziel ist es, Menschen in die Lage zu versetzen, gut gedachte Geschichten zum Leben zu erwecken, die im herkömmlichen Sinne nie hätten realisiert werden können. Wenn Kameras kleiner werden, entstehen neue Perspektiven. Wenn Editing non-linear wird, entstehen neue Erzählformen. Wenn Generative AI zugänglich wird, können völlig neue Welten gebaut werden – vorausgesetzt, jemand denkt über diese Welten nach. Unsere neue Mission: Tools für das bisher (fast) Unmögliche Not Another Mate ist das Ergebnis dieser Überlegung. Wir kommen aus der Praxis des Films und aus der Welt der Software. Wir kennen Deadlines, Budgets, Kundenerwartungen – ebenso wie Code Reviews, Deployments und Product Roadmaps. Diese doppelte Erfahrung fließt jetzt in eine klare Mission: Wir wollen Menschen Tools in die Hand geben, mit denen sie bisher fast Unmögliches erschaffen können. Das bedeutet konkret: SaaS-Produkte im Bereich Generative AI, die Film-, Audio- und Fotoproduktion beschleunigen und erweitern, ohne sie zu trivialisieren. Systeme, die nicht Kreativität ersetzen, sondern Produktionshürden senken. Werkzeuge, die den „technischen und finanziellen Flaschenhals“ aufbrechen, der bisher so viele gute Ideen auf dem Notizblock hat verstauben lassen. Das Alte faded aus, aber es verschwindet nicht. Es bleibt als Erfahrung, als ästhetisches Empfinden, als Handwerk im Hintergrund. Es ist der Unterbau, auf dem das Neue aufsetzt. Wir starten formal bei null – aber mit reichlich Daten im Kopf und im Herzen. Wir wissen nicht, wie Menschen unsere Tools am Ende nutzen werden. Niemand kann das seriös voraussagen. Was wir aber wissen: Wir wollen ein Stück dazu beitragen, dass Generative AI nicht nur als Quelle von Beliebigkeit in Erinnerung bleibt, sondern als Chance, Geschichten zu ermöglichen, die sonst nie erzählt worden wären. Der neue Film hat begonnen. Die alte Rolle läuft aus, das Bild faded, ein neuer Take steht. Wir sind bereit, wieder auf „Rec“ zu drücken.