Der 5‑Minuten‑Food‑Foto‑Workflow: Von Smartphone zu Social Media (mit AI, ohne Drama)

Ein pragmatischer Ablauf, mit dem Restaurants in fünf Minuten aus einem Handyfoto brauchbaren Content für Lieferdienste und Instagram machen. Mit ein bisschen Licht-Disziplin, AI fürs Finetuning und einem Export, der nicht jedes Mal neu erfunden werden muss.

By Thomas Fenkart · 5 min read

Der 5‑Minuten‑Food‑Foto‑Workflow: Von Smartphone zu Social Media (mit AI, ohne Drama)

Man merkt Restaurants ziemlich schnell an, ob die Bilder „nebenbei“ entstehen oder ob da ein kleiner, wiederholbarer Ablauf dahinter steckt. Es geht nicht um Kunstfotografie. Eher um: Appetit erzeugen, schnell, konstant, ohne dass im Team jedes Mal drei Tutorials laufen müssen. Ich hab an Filmsets oft genug „wir fixen das in der Post“ gehört, um zu wissen: Das klappt nur, wenn das Rohmaterial stimmt. AI kann viel, klar. Aber sie rettet kein matschiges Licht und keine verwackelten Shots. (Oder sagen wir: manchmal schon ein bisschen, aber darauf würde ich mich nicht verlassen.) Hier ist unser 5‑Minuten‑Workflow, den du als Restaurant ziemlich direkt übernehmen kannst—Smartphone rein, Social Media raus. Minute 0–2: Aufnahme (zwei Regeln, die wirklich zählen) Licht ist wichtiger als Kamera. Ja, klingt wie so ein Spruch, stimmt aber halt. - Stell dich ans Fenster. Seitliches Licht ist fast immer schöner als Deckenlicht. - Deckenlampen aus, wenn möglich. Mischlicht (warm oben, kalt vom Fenster) macht Hauttöne und Essen gleichermaßen komisch. - Wenn’s abends sein muss: eine konstante Lichtquelle, nicht fünf verschiedene. Eine kleine, weiche LED ist besser als das Restaurant-Spotlicht direkt auf dem Teller. Perspektive standardisieren. Nicht jedes Gericht braucht den gleichen Winkel, aber du brauchst Wiedererkennbarkeit. Sonst sieht dein Feed aus, als hätten fünf Leute fünf verschiedene Läden fotografiert. - Bowls, Pasta, Currys: 45° oder top-down. - Burger, Schnitzel, Steak: eher 30–45° seitlich, damit Höhe und Textur wirken. - Wenn du nur eine Perspektive für alles willst (weil: Realität): 45° ist der Kompromiss, mit dem man selten völlig danebenliegt. Und dann die unsexy Sachen, die trotzdem den Unterschied machen: - Hintergrund ruhig halten. Holzbrett, neutrale Tischplatte, fertig. Keine Speisekarte, keine Kassenbons (ja, hab ich gesehen), kein halber Putzeimer im Bokeh. - 2–3 Varianten schießen. Einmal „clean“, einmal näher, einmal mit Besteck/Hand (für Social). Drei Fotos kosten dich vielleicht 10 Sekunden und sparen dir später dieses „Mist, keins passt“-Gefühl. - Raster einschalten (Drittelregel). Und den Teller nicht jedes Mal in die Bildmitte nageln—außer du willst genau diesen Lieferdienst-Look. Wenn das Foto halbwegs sitzt: nicht länger dran rumdoktern. Weiter. Minute 2–4: AI‑Enhancement (nicht „schöner machen“, eher „verlässlich“) Hier kippen viele rein. AI macht aus einem ehrlichen Gericht schnell eine Hochglanz-Lüge. Das Blöde ist: Gäste merken das. Und Bewertungen sind auch eine Form von Postproduktion—nur halt öffentlich. Was wir eigentlich wollen, ist Konsistenz: gleiche Farbwelt, ähnliche Helligkeit, ähnliche Schärfe-Anmutung. Dein Feed und deine Lieferdienst-Kacheln sollen nach deinem Laden aussehen, nicht nach „random AI food generator“. Baseline-Korrekturen (immer): - Weißabgleich: Essen darf warm sein, aber nicht gelb. Salat darf frisch aussehen, aber nicht radioaktiv. - Belichtung & Kontrast: zieh Schatten leicht hoch, damit Details im Gericht sichtbar bleiben. Kontrast nicht überdrehen, sonst werden Saucen schnell „schmutzig“. - Schärfe/Clarity: vorsichtig. Zu viel macht aus einem Burger eine Textur-Studie. AI sinnvoll einsetzen (in der Reihenfolge, die sich bewährt hat): 1) Automatische Objekt-/Food-Erkennung: Viele Tools erkennen den Teller und setzen lokale Anpassungen. Praktisch—solange du kontrollierst, was genau da angepasst wurde. 2) Selektives „Appetit“-Tuning: leichte Sättigung nur auf relevanten Farben (Grün bei Kräutern, Rot bei Tomate, Gold bei Frittiertem). Nicht global alles hochziehen. 3) Hintergrund aufräumen: Krümel, störende Reflexe, ein Fleck auf dem Tisch—weg damit. Das ist Retusche, die niemand als „fake“ empfindet. 4) De-noise / Low-light Repair: Wenn du schnell in der Küche schießen musstest und ISO hochging—AI kann Rauschen glätten, ohne gleich alles plastikmäßig zu machen. Aber nur, wenn das Bild nicht komplett im Dunkeln ertrinkt. Was ich eher lassen würde (oder nur sehr bewusst): - „Make it more gourmet“ Prompts, die die Realität verändern. - AI, die Zutaten dazuerfindet (mehr Sesam, mehr Kräuter, extra Glanz). Das ist Marketing-Selbstsabotage. Ein Test, den ich ganz gern mag: Zeig das Foto kurz dem Koch. Wenn er sagt „Ja, genau so schaut’s aus“, passt’s. Wenn er lacht—zurück. Minute 4–5: Export (einmal richtig, dann ist Ruhe) Der häufigste Zeitfresser ist nicht das Foto. Es ist dieses: „Welche Größe braucht jetzt wieder Instagram?“ und „Warum schneidet der Lieferdienst das schon wieder so komisch ab?“ Du willst pro Gericht ein Master plus vordefinierte Exporte. Immer gleich, immer wieder. Master-Datei (dein Archiv) - Format: JPG (hohe Qualität) oder HEIC, je nach Workflow - Kante: mindestens 2500 px (damit du später nicht upscalen musst) - Kein Text, kein Sticker, kein Wasserzeichen. Das kommt später. Instagram Feed - 4:5 (1080×1350) ist meist der beste Kompromiss—viel Fläche am Screen. - Beim Zuschnitt lieber etwas Luft um den Teller lassen, damit’s beim Croppen nicht weh tut. Story / Reels Cover - 9:16 (1080×1920) - „Safe Area“ freihalten (oben/unten), sonst klebt die UI genau auf deinem Signature-Dish. Lieferdienste / Google Business / Website Hier wird’s nervig, weil jeder Dienst anders tickt. Praxis-Regel: - Quadrat (1:1) funktioniert fast überall als neutraler Export. - Zusätzlich ein 4:3 oder 3:2 für Website-Menüs und Google (wirkt weniger „kachelartig“). Wenn du’s wirklich durchziehen willst, legst du dir Presets an: IG_4x5, Story_9x16, Delivery_1x1, Web_3x2. Einmal bauen, dann nur noch klicken. Ein kleiner Hack, den wir oft empfehlen: Exportiere zwei Lieferdienst-Versionen—eine etwas heller, eine neutral. Manche Plattformen komprimieren so aggressiv, dass dunkle Bilder absaufen. Ist lästig, ja. Aber es ist eben auch Realität. Was am Ende zählt: Im Team muss es „idiotensicher“ funktionieren Der Punkt ist nicht, dass du als Chef oder Marketing-Mensch einmal pro Woche schöne Fotos machst. Der Punkt ist, dass jede Schicht im Zweifel ein neues Tagesgericht sauber abbilden kann. Häng dir deshalb eine Mini-Checkliste in die Küche. Kein Roman, eher: „Fenster. Deckenlicht aus. 45°. 3 Shots. Master speichern. Presets export.“ Und dann bleibt diese eine Frage, die mir dabei immer im Kopf rumgeht: Wenn die Person, die heute Dienst hat, morgen krank ist—funktioniert’s trotzdem? Wenn ja, dann hast du nicht nur Fotos gemacht. Du hast ein System gebaut. Ich bin mir nicht sicher, ob es „mehr wert“ ist als der hundertste perfekte Shot… aber es fühlt sich im Alltag auf jeden Fall so an.